TERRA INCOGNITA

von ALBERTO STORARI

und GIULIO CAMAGNI

KURATOR: STEFAN BIDNER

KUNSTRAUM AM SCHAUPLATZ

 

Ein verlassenes Objekt. Wer hat es zurückgelassen? Wer hat es gefunden? Lässt es sich überhaupt wiederfinden? Oder: Wer verlässt wen? Vielleicht lassen sich die Werke Giulio Camagnis und Alberto Storaris als zwei Wege beschreiben, den Fragen der Verlassenheit Bilder, Erzählungen und weitere Fragen an die Seite zu stellen? Denn während beim einen verlassene Schiffskörper zum Ausgangspunkt malerischer Phantasmorgien und Arrabeskereien werden, richtet der andere aus vorgefundenen Hölzern und Metall „Türme“ auf, die weder im Figuralen noch im Archikturalen gänzlich aufgehen, und dennoch Grundfragen der Existenz und seiner fragwürdigen Zugänglichkeit stellen. Sowohl die Wracks Storaris als auch die Türme Camagnis scheinen verlassen. Und werden von beiden doch zurückgeholt in die Aktualität bildnerischer, ja kultureller Arbeit. Um unsere Erinnerung zu aktivieren, um unsere Fragekräfte zu wecken, um unser Vorstellungsvermögen in Gang zu setzen. Sei es im tiefromantischen und dennoch vielfach gebrochenen Stil der Projektionen und Erscheinungen Storaris, sei es in der nüchternen, konzentrierten Recherche Camagnis. Erzählungen elementarer Suche geben sie uns beide mit. Und diese, so scheint es in Zeiten der Krise, brauchen wir auch.

VON  MICHAEL  HAMMERSCHMID

WIEN, NOVEMBER 2012